Der kleine Frieden wohnt im Wald?
Der kleine Frieden wohnt im Wald
Eine leise Friedensgeschichte für Kinder über Ruhe, Stille und den Wald
Max und Tom wollen den Frieden finden. Ob er sich wirklich im Wald versteckt?
Manchmal muss man den Frieden gar nicht lange suchen. Man muss nur still genug werden, um ihn zu bemerken. Diese leise Friedensgeschichte für Kinder erzählt von zwei Jungen, die entdecken, dass der Frieden vielleicht dort wohnt, wo Bäume rauschen, Vögel singen und das Herz zur Ruhe kommt. Für Kinder ab 5 Jahren mit Erstleserfassung, Fragen, Mitmachidee und Ausmalbild.
Der kleine Frieden wohnt im Wald
„Komm, wir suchen den Frieden!“, sagt Max.
„Den Frieden? Wo willst du den denn suchen?“ Sein Freund Tom schüttelt den Kopf.
„Im Wald! Irgendwo dort hält er sich versteckt, weil er keine Lust mehr auf die Menschen hat.“
„Im Wald?“ Tom muss lachen. „So ein Blödsinn!“
„Kein Blödsinn“, wehrt Max ab. „Mein Opa sagt immer, im Wald findet er seinen Frieden. Und mein Opa muss es ja wohl wissen.“
Wenn Tom es richtig bedenkt, könnte Max sogar recht haben. Vor allem, wenn Max’ Opa das sagt. Und sagen seine Eltern das nicht auch manchmal?
„Na gut“, sagt er schließlich. „Dann gehen wir in den Wald und suchen den Frieden. Das kann ja nicht schaden.“ Er überlegt kurz. „Eine Flasche Wasser nehmen wir mit. Und ein paar Kekse. Ein Smartphone brauchen wir auch.“
„Wozu brauchen wir das im Wald?“
Max staunt. Frieden hat doch auch etwas mit Ruhe zu tun und mit Aufmerksamkeit. Und dabei kann so ein Handy mächtig stören.
„Hast du Angst, dass du dich im Wald langweilst?“, fragt er.
„Nö. Das nicht.“ Tom schüttelt den Kopf. „Aber wir müssen den Frieden doch fotografieren, wenn wir ihn gefunden haben. Sonst glaubt uns das keiner.“
„Wie sieht er eigentlich aus?“, fragt Max nachdenklich. Er hat ihn nämlich noch nie gesehen. „Wie ein Mensch vielleicht?“
„Weiß nicht.“ Tom zuckt die Achseln. „Dann wäre er aber ein seltsamer Mensch, der sich nicht kümmert.“
„Kümmert? Worum?“
„Um Frieden natürlich.“
„Hm.“ Max ist nicht überzeugt. „Vielleicht ist der Frieden auch ein Geist. Ein guter Geist, der sich vor den Menschen versteckt hat.“
„Ein Geist?“ Tom runzelt die Stirn. „Dann müsste er aber überall sein. Auf der ganzen Welt.“
Max denkt nach.
„Vielleicht fliegt er einfach herum“, sagt er schließlich. „Wie der Wind. Mal hier, mal dort. Und wo er sich hinsetzt, wird es still.“
Tom nickt langsam. „Dann müsste auch in unserem Wald ein bisschen Frieden wohnen.“
„Davon bin ich überzeugt. Du weißt ja: Opa hat es gesagt. Und außerdem …“ Max hält einen Moment inne. „Außerdem ist es im Wald immer still. Ohne den Frieden wäre es hier laut.“
„Stimmt“, sagt Tom. „Das glaube ich auch. Und ehrlich gesagt gefällt mir diese Stille auch viel besser. Ich mag sie.“
Max nickt. „Ich auch.“
Die beiden Jungen bleiben noch eine Weile stehen und lauschen. Ein Specht klopft irgendwo im Wald, ein Vogel zwitschert und im Gebüsch raschelt es. Leise rauscht der Wind in den Zweigen.
Da glaubt Max plötzlich, hoch oben im Geäst etwas Helles zwischen den Ästen sitzen zu sehen.
Er blinzelt.
Doch im nächsten Moment ist dort nur noch ein kleiner Lichtschein, der durch die Zweige fällt.
„Komm“, sagt Tom schließlich. „Gehen wir weiter.“
Und während sie den Waldweg entlanglaufen, ist es ihnen, als würde sie jemand ganz leise begleiten.
© Elke Bräunling